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    Frachtbrief

    Direktbuchungen steigern: Wie Hotels weniger Provision an Buchungsplattformen zahlen

    Abdulmejd Kelil Shifa · 01. Juli 2025 · 8 Min.

    Jede Buchung über eine Plattform kostet Provision, und dieser Posten wächst in vielen Betrieben still im Hintergrund. Die Plattformen leisten dafür etwas Reales: Reichweite, Sichtbarkeit in Märkten, die ein einzelnes Haus nie erreichen würde, und eine Buchungsstrecke, die funktioniert. Das Problem ist nicht, dass Plattformen existieren. Das Problem ist, dass viele Hotels auch jene Gäste über die Plattform buchen lassen, die das Haus längst kennen und direkt buchen würden, wenn man es ihnen leicht machte.

    Genau diese Gäste sind der Hebel. Wer Direktbuchungen steigern will, muss nicht die Plattformen schlagen, sondern die eigenen Hausaufgaben machen: eine Website, auf der man wirklich buchen kann, nachvollziehbare Preise, ein spürbarer Grund, direkt zu buchen, und eine Messung, die zeigt, ob das alles wirkt. Der Reihe nach.

    Warum Gäste auf der Plattform landen, obwohl sie das Hotel kennen

    Der typische Weg sieht so aus: Ein Gast wird auf das Haus aufmerksam, sucht den Namen, landet auf der Hotel-Website, schaut Zimmer und Bilder an. Dann will er buchen, und ab hier entscheidet die Qualität der eigenen Buchungsstrecke. Findet er keinen klaren Buchungsknopf, keine Verfügbarkeit in Echtzeit oder nur ein Anfrageformular mit Antwort am nächsten Werktag, wechselt er zur Plattform. Dort sieht er in Sekunden Verfügbarkeit, Preis und Stornobedingungen und bucht mit wenigen Klicks.

    Das Hotel zahlt in diesem Fall Provision für einen Gast, den es selbst auf die Plattform geschickt hat. Die unangenehme Wahrheit: Die Plattform gewinnt diese Buchung nicht durch Marketing, sondern durch die bessere Buchungserfahrung. Und das ist der Teil, den ein Hotel selbst in der Hand hat.

    Die eigene Website buchbar machen: Strecke und Preislogik

    Grundvoraussetzung ist eine Buchungsmaschine auf der eigenen Website, die Verfügbarkeit und Preise in Echtzeit zeigt und die Buchung ohne Medienbruch abschließt. Ein Anfrageformular ist keine Buchungsstrecke. Für die Strecke selbst gelten wenige, harte Anforderungen:

    • Wenige Schritte: Datum, Zimmer, Gastdaten, Bestätigung. Jeder zusätzliche Schritt kostet Abschlüsse.
    • Mobil zuerst: Ein großer Teil der Zugriffe kommt vom Handy. Was dort nicht bedienbar ist, existiert praktisch nicht.
    • Transparente Preise: Endpreise inklusive aller Abgaben, klar erklärte Raten und Stornobedingungen in verständlicher Sprache.
    • Vertrauenssignale: sichere Bezahlung, sofortige Bestätigung per E-Mail, erreichbarer Kontakt bei Fragen.

    Unterschätzt wird die Preislogik. Wenn auf der eigenen Website drei Raten mit unklaren Unterschieden stehen, während die Plattform eine klare Auswahl zeigt, bucht der Gast dort, wo er sich sicher fühlt. Wenige, sauber benannte Raten schlagen ein kompliziertes Tarifsystem. Und selbstverständlich darf die eigene Website nie teurer sein als der eigene Auftritt auf der Plattform: Ein Gast, der direkt bucht und später einen höheren Preis entdeckt, ist doppelt verloren.

    Direktbucher-Vorteile: Anreiz ohne Vertragsbruch

    Damit ein Gast direkt bucht, braucht er einen Grund. Beim Thema Preisnachlass ist Vorsicht angebracht: Verträge mit Plattformen enthalten teils Klauseln zur Ratenparität, also zur Gleichheit der öffentlich angebotenen Preise. Die rechtliche Lage dazu unterscheidet sich je nach Land und hat sich über die Jahre mehrfach geändert. Was der eigene Vertrag erlaubt, sollte man im Zweifel prüfen und nicht aus Blogartikeln ableiten.

    Die gute Nachricht: Der Anreiz muss gar nicht über den öffentlichen Zimmerpreis laufen. Bewährt haben sich Vorteile in der Leistung statt im Listenpreis:

    • Mehrwerte für Direktbucher: flexiblere Stornobedingungen, späterer Checkout, ein Getränk zur Begrüßung, Parkplatz oder Frühstücksvorteil.
    • Bessere Zimmerwahl: Direktbucher erhalten bevorzugt Wünsche wie Stockwerk oder Aussicht erfüllt.
    • Geschlossene Angebote: Sonderraten für Stammgäste per Newsletter oder Gästekonto, also nicht öffentlich, sind ein anderer Fall als der öffentliche Preisvergleich.

    Der Vorteil muss sichtbar kommuniziert werden, direkt neben dem Buchungsknopf und in der Preisanzeige. Ein Direktbucher-Vorteil, den nur das Team kennt, überzeugt niemanden.

    Der Google Hotel-Eintrag als unterschätzter Direktkanal

    Viele Gäste beginnen ihre Suche nicht auf einer Plattform, sondern in der Suchmaschine, und dort erscheint zum Hotel ein eigener Eintrag mit Karten, Bewertungen und Preisvergleich. In diesem Preisvergleich stehen üblicherweise die Plattformen. Die eigene Website kann dort ebenfalls mit Raten erscheinen, wenn die Buchungsmaschine eine entsprechende Anbindung mitbringt: Der Gast klickt dann vom Eintrag direkt in die eigene Buchungsstrecke.

    Das ist deshalb interessant, weil es genau die Gäste abholt, die schon nach dem Hausnamen suchen, also die wahrscheinlichsten Direktbucher. Zwei Dinge sind dafür zu tun: erstens den eigenen Unternehmenseintrag pflegen, mit aktuellen Fotos, Öffnungszeiten und beantworteten Bewertungen. Zweitens bei der Wahl der Buchungsmaschine darauf achten, dass sie diese Anbindung unterstützt und die eigenen Raten dort korrekt ausspielt. Bei der Auswahl eines Anbieters gehört diese Frage auf die Checkliste, gleich neben Mobiltauglichkeit und Schnittstellen zum eigenen Hotelprogramm.

    Den Direktanteil sauber messen

    Ohne Messung bleibt jede Maßnahme ein Gefühl. Die zentrale Kennzahl ist der Direktanteil: der Anteil der Buchungen und der Logiernächte, die ohne Plattformprovision zustande kommen. Damit die Zahl belastbar ist, braucht es ein paar Regeln:

    • Kanäle konsequent erfassen: Jede Buchung wird im Hotelprogramm einem Kanal zugeordnet, auch Telefon und E-Mail. Sammelkategorien wie Sonstiges verwässern die Auswertung.
    • Nach Wert rechnen, nicht nur nach Stück: Entscheidend ist der Umsatzanteil und die tatsächlich gezahlte Provision, nicht die reine Buchungszahl.
    • Zeiträume vergleichbar halten: Saisoneffekte sind stark, verglichen wird deshalb sinnvollerweise gegen den Vorjahreszeitraum.
    • Buchungsstrecke beobachten: Wie viele Besucher starten eine Buchung, wie viele schließen ab, und an welchem Schritt springen sie ab. Diese Zahlen zeigen, wo die eigene Strecke Gäste verliert.

    Realistisch bleibt: Ein Teil der Gäste wird immer über Plattformen kommen, und für die Neukundengewinnung in fremden Märkten sind sie weiterhin nützlich. Das Ziel ist nicht null Provision, sondern ein gesunder Kanalmix, bei dem Stammgäste und namentliche Sucher direkt buchen.

    Fazit

    Der Weg zu mehr Direktbuchungen ist unspektakulär und gut planbar: eine Buchungsstrecke, die der Plattform ebenbürtig ist, klare Preislogik, ein sichtbarer Vorteil für Direktbucher innerhalb der vertraglichen Spielregeln, Präsenz mit eigenen Raten im Hotel-Eintrag der Suchmaschine und eine ehrliche Messung des Direktanteils. Nichts davon erfordert große Budgets, wohl aber Konsequenz über Monate. Der Effekt ist dafür dauerhaft: Jeder Prozentpunkt, den der Direktanteil steigt, senkt die Provisionslast Jahr für Jahr, und die Gästebeziehung gehört wieder dem Haus statt der Plattform.

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